Noch ehe die Faschingszeit richtig anhebt, macht sich dieser Impuls in Münchner Straßen bemerkbar – zumindest bei Gebäuden. Während man den Abertausenden von entstuckten Berliner Mietshäusern bei aller architektonischen Jämmerlichkeit noch immer ansieht, aus welcher Zeit sie eigentlich stammen, gingen ähnliche „Modernisierungs“-Bestrebungen der Nachkriegszeit in München noch einen Schritt weiter.
Die besonderen Proportionen Münchner Etagenhäuser erlaubten es, ein entstucktes Vorkriegsgebäude perfekt dem Erscheinungsbild eines 50/60er-Jahre-Neubaus anzupassen. So verstand es der Zeitgeist jener Jahre, just durch das Herunterschlagen des angeblich Überflüssigen ein altes Gebäude als einen Neubau jener Jahre zu maskieren. Wer weiß, hinter wie vielen trostlosen Münchner Nachkriegsfassaden sich noch eine kostbare Innenausstattung vielleicht von 1865 verbirgt!
Wie schon in dem Blog-Eintrag vom 24.5.2012 berichtet, hat sich unser Mitglied Stephan Riedel der Aufgabe verschrieben, Münchner Hausbesitzer durch Beratung und Vermittlung von Fassaden-Patenschaften zu ermutigen, Ihrer Immobilie auch äußerlich den Glanz der Entstehungszeit zurückzugeben. Seine Bemühungen, auch die Medien in die Kampagne einzubeziehen, haben nun einen ersten Erfolg gezeitigt.
Die „Abendzeitung“ hat am 14.1. einen doppelseitigen Artikel veröffentlicht, in dem der von Stephan Riedel im Namen von Stadtbild Deutschland getätigte Vorstoß gewürdigt und durch wahrhaft überzeugende Beispiele bereits rekonstruierter spätklassizistischer Münchner Stuckfassaden illustriert wird. Der mit diesen Maßnahmen erzielte Gewinn für das Stadtbild ist so eklatant, die damit erzielte Wertsteigerung der Objekte so offensichtlich, dass in zunehmendem Maße mit „Nachahmungstätern“ zu rechnen ist. (Den ketzerischen Gedanken, dass man solche Heilungstaten am Stadtbild eigentlich auch auf die echten 50/60er-Jahre-Bauten ausdehnen könnte, wollen wir hier besser nicht ausspinnen. Das ist ein anderes Thema.)
Die Artikel aus der Abendzeitung vom 14. Januar 2013 können Sie hier herunterladen. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Abendzeitung München.
Dr. Harald Streck, Vereinsvorsitzender

