Lernresistente deutsche Planer

Vielleicht ist es ja naiv, von einer Diskussionsrunde, wie sie der Sender SWR 2 jeden Spätnachmittag unter dem Titel „Forum“ ausstrahlt, erhellende Einsichten oder gar umsetzbare Ergebnisse zu erwarten. Es handelt sich um Unterhaltung auf hohem Niveau, um den Austausch von Fachleuten in gewählter Diktion, genussvoll kredenzt nicht weniger für die Diskutanten selbst als für die Hörer.

Am gestrigen Freitag ging es um das Thema „Platz da! Wem gehört die Stadt“, und neben dem Architekten und Stadtplaner Prof. Dr. Wulf Daseking, dem Stadtforscher und Planer Julian Petrin, und der Moderatorin Ursula Nusser war auch der uns wohlbekannte Dr. Dankwart Guratzsch am Gespräch beteiligt. Besprochen wurde die rasante Umwandlung der Innenstädte und der intakten urbanen Zentren zu Hochburgen des Kommerzes, aber auch der wachsende Drang der Bevölkerung in eben jene innerstädtischen Quartiere, die noch eine Generation früher zu verslumen drohten und zum Abriss vorgesehen waren, und vor allem die stetige Verteuerung des innerstädtischen Grunds, die es unmöglich macht, fortan in den Innenstädten für weite Bevölkerungskreise bezahlbaren Wohnraum vorzuhalten.

Einzig Dankwart Guratzsch verstand es, den Ursachen dieses Problemkomplexes auf den Grund zu gehen und einen Weg zur Lösung zu weisen. Er verwies auf das heutzutage von der Bevölkerung empfundene Attraktivitätsgefälle zwischen den erhaltenen gründerzeitlichen Quartieren wie Berlin-Prenzlauer Berg, Hamburg-Ottensen und vielen anderen einerseits und den großflächigen suburbanen Siedlungsbereichen, die seit dem 2. WK entstanden sind, andererseits, er verwies auf die „Abstimmung mit dem Möbelwagen“ und die durch wachsende Nachfrage, aber nicht vermehrbares Angebot an gründerzeitlich geprägten Stadtquartieren bedingtem Wertsteigerungen innerstädtischer Grundstücke. Er machte deutlich, dass man nur dadurch den Druck von den gründerzeitlichen Stadtvierteln nehmen könne, dass man anstrebt, in vergleichbarer Qualität und nach dem Prinzip von Blockstrukturen und dem Bauen auf der Parzelle Stadterweiterung nach den Vorgaben der traditionellen europäischen Stadt zu betreiben. In Deutschland aber begreife man das nicht. Abgesehen von zaghaften Versuchen in diese Richtung wie Freiburg-Rieselfeld und zwei/drei anderen Vorstößen geschehe in Deutschland nichts dergleichen.

Niemand nahm die Gedanken von Guratzsch auf, es war den Diskutanten wichtiger, nur ja kein Randphänomen auszulassen bis hin zur Flüchtlingsfrage. Man genoss den Wettstreit im wohlklingenden abwägenden Formulieren. Was kümmert uns die Baukultur, wir haben Gesprächskultur!

Dr. Harald Streck, Vereinsvorsitzender

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