Illustration: Matthias Bornhofen, Quelle: infranken.de
In Bamberg will ein junger Architekt eine Baulücke schließen. Seinen Entwurf preist er in höchsten Tönen und auch die Stadträte sind begeistert. Der Gestaltungsbeirat der Stadt kann sich dagegen mit seinem Entwurf nicht so richtig anfreunden. Zu Recht, wie wir finden. Die nachfolgende Pressemitteilung unseres Vereins sollte den Gestaltungsbeirat der Stadt Bamberg darin bestärken, diesem „modernen“ Entwurf nicht die Zustimmung zu geben. Entscheidend ist dabei folgende These: So etwas zu bauen ist schon lange nicht mehr „modern“!
Pressemitteilung des Vereins „Stadtbild Deutschland e.V.“ zum Entwurf des Architekten Matthias Bornhofen für einen Neubau in der Kettenbrückstraße in Bamberg
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Bamberger Stadträte und Mitglieder des Stadtgestaltungsbeirates,
„Stadtbild Deutschland e.V.“ ist ein bundesweit tätiger Verein engagierter Bürger und Architekturexperten, die sich für Schönheit und historisch verankerte Identität deutscher Stadtbilder einsetzen. Wir arbeiten mit zahlreichen Bürgerinitiativen deutschlandweit zusammen und wollen dadurch mithelfen, dass bei künftigen Bauprojekten mehr Sorgfalt auf gestalterischen Anspruch gelegt wird. Uns geht es darum, der Beliebigkeit und Monotonie zahlreicher Neubauten in deutschen Städten etwas Anspruchsvolles entgegenzusetzen.
Wie am 16. Mai 2016 in einem Online-Artikel (erschienen auf „infranken.de“) berichtet wurde, plant der Architekt Matthias Bornhofen in der Bamberger Kettenbrückstraße einen Neubau, „ein viergeschossiges Bauwerk, das mit seiner durchgängigen Glasfassade und einer schiefen Traufe die üblichen Sehgewohnheiten in der Welterbestadt durchbricht“, wie dort zu lesen ist (Artikel von Michael Wehner). Auf die dort veröffentlichten Entwurfszeichnungen und Erläuterungen nehmen wir hiermit Bezug.
Aus Sicht unseres Vereins erfüllt dieser Entwurf nicht die Bedingungen, die man an einen anspruchsvollen Neubau in Bambergs Innenstadt stellen sollte und kann. Dies hat drei wesentliche Gründe:
1. Aus ästhetischer-gestalterischer Sicht ist der Bau wenig anspruchsvoll. Einheitliche Glasfassade ohne besondere Fassadendetails, nackte Beton/Kunststoffsäule als einziger Fassadenaufteiler; Glatte Beton/Kunststoff- und Glasfassade im Erdgeschoss; monotoner Gesamteindruck, einzig die schiefe Traufe sorgt vielleicht noch für etwas Abwechslung beim Betrachter. Aber das kann doch nicht wirklich alles sein, was dieser Architekt gelernt hat?
2. Der Architekt rechne mit seinem Entwurf bereits jetzt mit reichlich Gegenwind, so heißt es weiter. Er wisse „nur zu gut, dass neues Bauen in einer alten Stadt heftige Turbulenzen auslösen kann. Dennoch wollte er nicht den leichten Weg gehen und einen gefälligen Entwurf umsetzen, wie ihn der Vorbesitzer des Grundstücks vorgelegt hatte .“
Der Architekt sieht also selbst, dass sein Entwurf mit dem Stadtbild Bambergs bricht und sich nicht einfügt. Darin sehen wir ein weiteres Problem, im Kontrast zur Umgebung.
Die Frage muss erlaubt sein, was denn aus Sicht des Architekten gegen einen „gefälligen Entwurf“ einzuwenden ist?
Gefälligkeit im Sinne von Harmonie ist grundsätzlich eines der wichtigsten Ziele des Städtebaus! Möglichst viele Menschen müssen sich in einer Stadt wohlfühlen, nicht nur einzelne Architekten, denn die „einfachen“ Bürger sind es, die dann in dieser Umgebung leben müssen. Architektur ist deshalb eine öffentliche Kunst, die möglichst vielen gefallen und daher auch „gefällig“ sein muss.
Daher befürworten wir auch an dieser Stelle einen Entwurf, der sich besser in die Umgebung einfügt.
3. Hinzu kommt aber noch ein dritter, wichtiger Aspekt, der bedenklich ist:
Bornhofen bezeichnet seinen Entwurf als „neues Bauen“, auch die Artikelüberschrift spricht von „ultramodern“.
Bei genauerem Hinsehen muss man aber feststellen, dass die von Bornhofen geplante Verwendung von einheitlichen Glasfassaden mit etwas glattem Beton/Kunststoff bei gleichzeitigem bewusstem Verzicht auf schmückende Ornamentik an der Hausfassade den Grundprinzipien des „Bauhaus“ entspricht. Das „Bauhaus“ wurde 1919 in Weimar gegründet und war damals tatsächlich neu und „modern“. Aber wir schreiben das Jahr 2016, nicht 1919!
Wenn also der Entwurf von Herrn Bornhofen im Grunde einem fast hundert Jahre alten Baustil folgt, ohne eine Weiterentwicklung erkennen zu lassen, ist aus unserer Sicht „modern“ dafür ein irreführender Begriff, um mögliche Kritiker des Projektes von vorneherein verstummen zu lassen! „Modern“ (im Sinne von „neu“/„fortschrittlich“) ist Bornhofens Entwurf nicht!
Wie Matthias Bornhofen sind in der Bundesrepublik immer noch etliche Architekten und Stadtplaner davon überzeugt, dass einheitliche Glasfassaden mit glatten Betonelementen „modern“ seien. In den letzten Jahrzehnten ist unter Experten aber immer mehr das Verständnis dafür gewachsen, dass dieser bewusste Verzicht auf Fassadendetails eine Haus-oder Straßenfassade auch schnell langweilig und trist wirken lassen kann.
Immer mehr Architekten greifen daher langsam wieder auf traditionelle Gestaltungsmittel (wie z.B. Gesimse, Lisenen, Eckbossen, Säulen) zurück und verwenden auch wieder eine größere Materialvielfalt. Zu nennen sind da z.B. die Luxemburger Rob und Leon Krier oder in Deutschland das Büro Patzschke & Partner in Berlin. Auch der Darmstädter Professor für Architektur Manfred Hegger ist ein Vorreiter darin, speziell in der Verwendung von Holz (statt nur Stahl und Beton) als Grundbaustoff. In Schweden und Großbritannien hat man mit „Jakriborg“ und „Poundbury“ sogar zwei Städte nur mit traditionellen Baustilen ganz neu errichtet.
Im Artikel vom 16.5. wird der Bamberger Politiker Peter Neller zitiert, der den Bornhofen-Entwurf ebenfalls als „(…)modernes Bauen(…)“ lobt. Die Frage muss dagegen lauten: Ist Bornhofens Entwurf nicht eher ziemlich altmodisch?
Daher befürworten wir eine vom Stadtgestaltungsbeirat geforderte Überarbeitung des gegenwärtigen Entwurfs, damit er sich besser in das Stadtbild Bambergs einfügt und auch wirklich als „modern“ im Sinne von „fortschrittlich“ bezeichnet werden kann.
Laut erwähntem Online-Artikel sei CSU-Fraktionschef Helmut Müller so sehr von diesem Entwurf begeistert, dass er ein „Exempel statuieren“ und dem Stadtgestaltungsbeirat „die Zustimmung empfehlen“ wolle. Wir bitten daher den Stadtgestaltungsbeirat, zu seiner fachlichen Meinung zu stehen und sich in dieser Frage nicht von Politikern beeinflussen zu lassen! Wir bitten zudem die Stadträte, ihre Meinung noch einmal zu überdenken und einer grundlegenden Überarbeitung des Entwurfs ebenfalls zuzustimmen, um eine für Bambergs Stadtbild und seine Bürger und Besucher optimale Lösung zu erhalten!

