
Am 14. November wurde der Berliner Fassadenpreis von Stadtbild Deutschland durch den Berliner Stadtbild-Ortsverband zum zweiten Mal verliehen. Die Auszeichnung für die qualitativ und gestalterisch herausragende Fassaden-Teilrekonstruktion des 1901 erbauten, freistehenden Hauses in der Seehofstraße 1 in Zehlendorf ging an die Eigentümer Thilo Seelbach und Stephan Imm, die seit Jahren mit großem persönlichen Einsatz darauf hinarbeiten, dem heruntergekommenen, entstuckten Gründerzeitbau seine einstige Schönheit zurückzugeben.


Ergänzend zur energetischen Sanierung wurden die Stuckelemente vor Ort in traditioneller Hand-werkstechnik angefertigt und in Anlehnung an die in Bauzeichnungen überlieferte originale Gestaltung an der Fassade montiert. Obwohl die Sanierung noch nicht vollständig abgeschlossen ist, ist doch schon von der Straße zu sehen, dass aus dem einst grauen, kahlgeschlagenen Haus wieder ein Schmuckstück geworden ist, das das Zehlendorfer Ortsbild bereichert. Die Sanierung dieses Hauses ist keine 1:1-Rekonstruktion. Abweichungen von originalen Fassadenbild waren beabsichtigt und stehen für die eigenen gestalterischen Vorstellungen der Eigentümer.

Das Abschlagen des Fassadenschmucks („Entstuckung“) wurde in Berlin radikaler durchgeführt als in anderen Städten: bei mehr als der Hälfte der Berliner Altbaufassaden wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts das Stuckornament entfernt. Berlinweit gibt es nur noch wenige Straßenzüge, in denen die originale Fassadengestaltung der Gründerzeit vollständig erhalten geblieben ist: der Verlust an baukulturellem Wert ist enorm. Wiederbestuckungen werden nur selten durchgeführt und erfordern ein überdurchschnittliches ideelles und finanzielles Engagement des Hauseigentümers.
Der Berliner Ortsverband des bundesweit tätigen baukulturellen Bürgervereins Stadtbild Deutschland e.V. würdigt daher qualitativ und ästhetisch herausragende Wiederbestuckungen durch eine Auszeichnung, den Preis für die beste Wiederherstellung einer historischen Fassade in Berlin („Fassadenpreis“).Mit diesem möchteder Verein den Gewinn hervorheben, den die Wiederherstellung und Pflege einer historischen Fassade für das Stadtbild bedeutet. Die Auszeichnung soll Hauseigentümer dazu inspirieren, es den Preisträgern gleichzutun, und publik machen, dass ihre idealistische, über das Notwendige weit hinausgehende Leistung gesehen und gewürdigt wird.

Der Preisträger wurde durch eine Online-Abstimmung unter den Berliner Vereinsmitgliedern ermittelt, bei der das Sanierungsprojekt in Zehlendorf mit deutlicher Mehrheit gewann.
