Bauen als Umweltzerstörung

So lautete der Titel eines aufrüttelnden Buches eines gewissen Rolf Keller aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Schon damals war jedem Zeitgenossen hinreichend klar, dass mit diesem Titel natürlich nicht die unvermeidliche Naturbeeinträchtigung angeprangert wurde, die der Mensch mit seiner Ausbreitung auf der Erdoberfläche verursacht, sondern das zerstörerische Vorgehen der Moderne, die aus einer gewalttätigen und technizistischen Geisteshaltung heraus weltweit Stadt und Landschaft expansiv überzieht.

Wir wissen, dass kein „grüner“ Protest seither dieses Vorgehen dämpfen konnte – im Gegenteil. Wo nicht Gewerbebauten, Kraftwerke, Verladeanlagen und dergleichen die Landschaft unter sich begraben, da sorgt inzwischen eine sich funktionalistisch-technizistisch gebärdende Architektur dafür, dass in Deutschland tendenziell auch das letzte landschaftliche Idyll brutal mit einer Kistenbauweise konfrontiert wird, die so rigide durchgezogen wird, als würde sie von den Kunstwächtern eines Despoten kontrolliert.
Wieder einmal hat sich Stephan Riedel im Namen von Stadtbild Deutschland in einem Beispielfall dieser Entwicklung entgegengestellt. Das, was heutzutage den letzten ländlichen Winkel Deutschlands bedroht, die Anreicherung durch Bauformen, welche die Identität des Ortes ignorieren, soll auch in St. Emmeram in München, einem etwas verträumt gelegenen nordöstlichen Außenbezirk dörflichen Charakters an der Isar durchgesetzt werden.

Dr. Harald Streck, Vereinsvorsitzender

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