Berliner Schloss – offener Brief an Kulturstaatsminister Weimer

Zusammen mit weiteren Berliner Bürgervereinen hat der Berliner Stadtbild-Ortsverband am 19. April 2026 einen offenen Brief an den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, geschrieben. Thema ist der Umgang des Vorstands der Stiftung Humboldtforum mit dem Förderverein Berliner Schloss und die Ablehnung der Rekonstruktion des Schlüterschen Treppenhauses:

Sehr geehrter Herr Dr. Weimer,

wir, die Allianz der baukulturell engagierten Berliner Bürgervereine, wenden uns an Sie als Mitglied des Stiftungsrats der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss.

Als bürgerschaftliche Vereine und Initiativen, deren Arbeitsschwerpunkt die historische Mitte Berlins ist, wissen wir um die Bedeutung des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses für die Heilung der durch Krieg und Teilung beschädigten Integrität des Berliner Stadtzentrums. Ohne die Leistung des Fördervereins Berliner Schloss wäre diese Rekonstruktion nicht zustande gekommen.

Umso mehr befremdet uns, dass der Vorstand der Stiftung Humboldt Forum unter Prof. Hartmut Dorgerloh den Mietvertrag des Fördervereins in den Räumen des Humboldtforums gegen dessen Willen hat auslaufen zu lassen.

Wir meinen: wenn der Förderverein Berliner Schloss es für sinnvoll hält, seine Arbeit dort auszustellen, wäre es ein selbstverständliches Gebot der Dankbarkeit und Anerkennung, ihm dies auch weiterhin zu ermöglichen.

Auch ist für uns unverständlich, dass Prof. Dorgerloh das Angebot des Fördervereins ablehnt, Spendenmittel für die Rekonstruktion des Großen Treppenhauses hinter dem Portalrisalit im Schlüterhof zu sammeln. Er erklärt die Rekonstruktion des Schlossbaus als abgeschlossen und möchte keine weitere Störung des Museumsbetriebs durch Baumaßnahmen.

Großes Treppenhaus. Lichtdruck von Ernst Wasmuth, 1889

Die im Ostflügel des Gebäudes befindliche Raumaussparung für den Wiederaufbau des Treppenhauses, in der heute bauzeitliche Skulpturen und Spolien ausgestellt werden, ist jedoch überhaupt nicht mit dem eigentlichen Museumsbetrieb verbunden. Andere Baumaßnahmen seit Eröffnung der Ausstellungen im Humboldtforum, wie die Rekonstruktion der historischen Portaldurchgänge, wurden ohne nennenswerte Beeinträchtigung des Museumsbetriebs durchgeführt.

Wir halten dieses Argument daher für vorgeschoben, um nicht klar auszusprechen, dass man den Förderverein nicht länger im Haus haben will und jegliche weitere Rekonstruktion ablehnt, egal wie sinnvoll diese auch sein mag.

Das ab 1699 nach Entwürfen von Andreas Schlüter erbaute Große Treppenhaus war eines der bedeutendsten Kulturbauwerke des deutschen Barocks. Seine Zerstörung beim Abbruch des Schlosses 1950 war ein schwerer Verlust für Berlin und das deutsche Baukulturerbe.

Ein wiedergewonnenes Raumkunstwerk diesen Ranges wäre eine Bereicherung und kultureller Anziehungspunkt für die Bundeshauptstadt und würde die Authentizität der Schlossrekonstruktion unterstreichen. Es könnte indirekte Einnahmen generieren und vielen Bau- und Kunsthandwerkern über Jahre Arbeit verschaffen.

Herr Minister Weimer, Sie haben wiederholt die Bedeutung der Rekonstruktion des Schlossbaus für Berlin und Deutschland herausgestellt, sich als „Fan der ersten Stunde“ bezeichnet. Bitte lassen Sie nicht zu, dass das Geschenk des historischen Treppenhauses, das der Förderverein anbietet, aus fragwürdigen Gründen abgelehnt wird. Gerade in Zeiten knapper Haushaltsmittel gilt es, die Bedeutung einer bürgerschaftlichen Spendenfinanzierung für Kulturprojekte dieser Art zu würdigen und alle Hindernisse zu beseitigen, die dem entgegenstehen.

Auch der Vorstand der Stiftung Humboldt Forum sollte dies beherzigen. Er handelt letztlich ohne demokratisches Mandat, allein aus eigenem Gutdünken und nicht im Sinne dessen, was für Berlin und die Baukultur unseres Landes den größten Vorteil bietet – im Gegensatz übrigens zum demokratischen Mandat der entsprechenden Bundestagsvoten und der großen Spendensammlung, auf denen die rekonstruierten Barockfassaden des Humboldtforums basieren. Daher sollte auch die personelle Besetzung des Stiftungsvorstands überdacht werden.

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