Was ist modern?

Warum sieht die deutsche Architekturlandschaft so aus, wie sie aussieht?

Weil 1. der Begriff der Modernität alle Stadien skrupulöser Infragestellung hinter sich gelassen hat und in der Bevölkerung so positiv besetzt ist wie wenige andere Begriffe und weil 2. jeder und besonders jeder Architekt sich dieses Begriffs bedient, ohne sich der Mühe einer differenzierenden Eingrenzung zu unterziehen. Die stupide negative Definition, wonach sich Modernität durch das „Weglassen alles Überflüssigen“ auszeichnet, passt ja so herrlich in unsere geistlos-geschäftige Alltagszivilisation und ist obendrein überaus profitabel.

Das war nicht immer so. Zur Goethezeit betrachtete man die „moderne“ Zeit mit skeptisch-melancholischem Unterton in dem Bewusstsein dessen, was alles dem modernen Menschen abhanden gekommen war, wohingegen der Aufbruch ins „moderne“ 20. Jahrhundert von einem euphorischen Vertrauen in die Geistigkeit und Formensprache eines neuen Zeitalters getragen war. Gut drei Jahrzehnte lang brachte auch und gerade in Deutschland die moderne Bewegung grandiose Gestaltungen hervor, ehe sich dann der Absturz in die Katastrophe vorbereitete.

Wer heute mit der Aufgabe betraut ist, im Dienst am Menschen Häusern und Stadtanlagen Gestalt zu geben, sollte sich dieser Euphorie von einst wieder erinnern. Er sollte sich wieder aus einer Überschau über den reichen Fundus an modernen Gestaltungskonzepten und aus gründlicher Reflexion der in Betracht zu ziehenden Funktionen heraus zu einem vielschichtigen Verständnis von Modernität durchringen.

Die neueste Veröffentlichung von STADTBILD DEUTSCHLAND will dazu Überlegungen und Einsichten an die Hand geben: Was ist modern? Wege aus der Sackgasse deutscher Gegenwartsarchitektur

Nach oben scrollen